KUNST IM BAUERNGARTEN? von Renate Zickenheimer

Liebe Renate, danke für die unvoreingenommene Kommentierung zum Besuch des „Offenen Ateliers“ 2018 am 3. Oktober.

Renate Zickenheimer, Oktober 2018, München

PLZ 97428 Garten Pecoraro-Schneider
Ich besuchte meine beiden FB-Freunde in Franken anläßlich der kleinen „Kunst-Vernissage“ von Reinhard Schneider, die im Garten Pecoraro-Schneider stattfand. Oh, was war ich gespannt!!!

  • Park und Kunst? Doch, wenn die Objekte passen und am richtigen Platz stehen, warum nicht!
  • Garten und Kunst? Das wird oft schon schwieriger, weil man nicht so großzügig über Platz verfügen kann und sich dadurch auch passende Objekte schon mal gegenseitig die Schau stehlen. Manchmal ist es auch schlicht nicht möglich, den richtigen Rahmen für die Kunstobjekte zu finden.
  • Bauerngarten und Kunst? Waaaaas? Ja, wie soll das denn funktionieren?

Der Garten Pecoraro-Schneider ist, vereinfacht gesprochen, dreiteilig und besteht aus:

  1. dem „Bauerngarten“ mit dem klassischen Wegkreuz, einem bunten Blütenmeer und dem grandiosen Gräserpfad,
  2. dem „Küchengarten“ mit der Kräuterspirale im Zentrum und den umgebenden Hochbeeten, die fast zu jeder Garten-Jahreszeit zum Ernten einladen und
  3. dem „Genussgarten“, der vielfältig mit Obstbäumen, Sitzplätzen, Grill, Bank am Teich u.a. bestückt ist.

ACHTUNG KUNST! Ja Ihr Lieben, auch wenn der „Garten Pecoraro-Schneider“ inzwischen einen ganz schönen Bekanntheitsgrad für seine wunderbare Symbiose „altes Bauern-Haus und neuer Bauerngarten“ erreicht hat und wir schon viele wunderbare Jahreszeiten-Spaziergänge in diesem Garten machen durften, so möchte ich Euch diesen Garten heute aus einer ganz anderen, neuen Sichtweise zeigen und den Baustein „Kunst“ hinzufügen.

ACHTUNG KUNST? Ach was, das was Reinhard hier geschaffen hat, davor braucht niemand Vorbehalte hegen. Auch diejenigen unter Euch, die grundsätzlich keine Kunstausstellungen besuchen würden, schaut Euch bitte die Fotos an, es ist genug Garten in jedem Foto, so dass Ihr am Ende wohl fragen werdet – und wo waren jetzt diese Kunstobjekte, die mir so auf den Geist gehen, wenn ich nur das Wort lese?

Springt einfach mit mir rein, Ihr seht ja schon die Begeisterung einer Besucherin auf dem ersten Bild, wie gerne würde ich möglichst viele von Euch auch mit meiner eigenen Euphorie anstecken.
Und natürlich stehen die begleitenden Texte wieder direkt bei den Fotos.

KUNST IM BAUERNGARTEN? Ja, ja und nochmal ja, seht bitte selber

… Aber meine Neugier war riesengroß, ich wollte Garten sehen, „den Garten und die Kunst“!

Erst tauchte ich direkt in den Gräserweg ein, der parallel zum Has nach hinten mäandert.

Danach ertrank ich für einen herrlichen Moment im Asternmeer.

Aber schnell rettete ich mich in den Ruhepol, das Wegkreuz. Als sehr angenehm empfand ich schon immer, dass für die Einrandung der Beete auf den Buxus „Blauer Heinz“ verzichtet wurde. Lockere Stauden, durchaus nicht immer klassische Bodendecker, zeichnen hier ein lebhaftes, aber sehr ansprechendes Bild, dem jegliche Strenge fehlt.

Damit habe ich Euch schon die wichtigsten Zutaten dieses ersten Gartenteils aufgezählt.

Noch einmal schweifte der Blick über diese gekonnte Astern- und Gräserkombinationen.

Aber da sich in diesem Post ziemlich alles um die Kunst dreht, gehen wir doch zurück zum Gräserpfad.

Was für ein schöner erster Eindruck! Diese dynamische, aber unbunte Längsachse hatte Reinhard für einen Teil seiner Steinguss-Objekte als Standort sicher nicht zufällig ausgewählt.

Schneeweiße Plastiken, natürlichen Samenständen überdimensional nachempfunden, fügen sich harmonisch, ohne die Leichtigkeit der Gräser zu erschlagen in die Umgebung. Die weiße Hauswand ist ein zusätzlicher Vermittler zwischen den Kunstwerken und dem Garten.

 

Das samtige Weinrot des Knöterichs ist die einzige Farbe, die mit den weißen Plastiken kokettieren darf. Weißer Hermelin mit rotem Purpurbesatz? – wie komme ich auf diese Assoziation – auf jeden Fall kostbar – Natur ist kostbar und unbezahlbar.

Obwohl immer wieder Besucher mit Reinhard an mir vorbeigingen, leise in Gespräche vertieft, war insgesamt eine sehr andächtige, wohltuende Ruhe über dem Garten. Ich sitze gerade über diesem Text und kann den Blick kaum von den Fotos im großen Bildschirm wenden, denn schon bin ich wieder „mitten drin“ in diesem wunderbaren Garten, der sich auf eine ganz eigene Art und Weise mit mir unterhält und … seitdem Reinhards Kunst den Garten bereichert … ist diese Kommunikation um ein vielfaches angeregter geworden.

Schon in die Richtung der Staudenbeete gestellt ist diese Nachempfindung einer Eisenhut-Samenkapsel. Sie verträgt schon gut die Blütenfarben des Gartens und wirkte sehr positiv auf mich. Zum blauen Himmel geöffnet strahlte sie einen heiteren Optimismus aus, als würde sie rufen: “ habe ich nicht das Paradies zu Füßen?“

Diese Eindrücke musste ich erst einmal verdauen, die Tür zum Arbeits- und Ausstellungsraum war einladend geöffnet. Als ich eintrag wurde mein Blick magisch auf dieses Objekt gelenkt. Da war sie wieder, diese wunderbare Samenkapsel. Hier aber nicht in weiß, sondern in erdigem Ziegel-Brauntönen. … Das ist Kunst, die man versteht,…

Erst jetzt war mein Kopf frei für die weiteren Ausstellungsstücke, die ich im Garten noch nicht gesehen hatte. Ich betrachtete kurz die aufgehängten Papierskizzen und schaute mir die dazugehörigen Modelle an. Reinhard hatte nach diesen Vorarbeiten später den Stahl gebogen und geschweißt und danach mit Beton ummantelt. Die Figuren sind auf das wesentliche reduziert – wichtig sind die Bewegungen, in denen sie verharren.

Als ich in den Garten zurückkehrte, lag gleich neben dem Hauseingang diese entzückende Herbstdekoration auf dem Holztisch.

An Rudbeckia, Astern, Verbascum und Gräsern vorbei ging ich weiter zum mittleren Gartenteil – dem Küchengarten.

Auch hier fügte sich sparsame, passende Dekoration im Randbereich ganz natürlich ein.

 

Nicht weit davon entfernt fand ich die erste Figur wieder, die ich als Modell im Atelier gesehen hatte. Die Plastik wirkte schon im ersten Moment sehr archaisch af mich. Vor meinem geistigen Auge erschienen prähistorische Felsenmalereien. Aber nein, diese ausgemergelten Figuren hatten mit den opulenten Jagdszenen in Lascaux und anderen europäischen Höhlen zu tun. Dann fiel mir Südafrika ein …

Der „Kartoffelleger“ schien so mit seiner Tätigkeit beschäftigt, dass er mich gar nicht wahrnahm. Plötzlich war ich mitten in einer ganz neuen Inszenierung mit neuer Ausstattung und Kulisse. Anstatt Gräserpfad mit weißen Samenkapsel-Objekten fand ich im Küchengarten karte rotbraune Figuren vor, deren Charakter durch die „wettergegerbte“ Rostoberfläche betont wurde.

Das satte Grün im Küchengarten und die reifen Früchte und Gemüse in gelb und rot paßten genauso perfekt zu dieser Figuren-Serie, wie der Samen-Zyklus in den Gräserpfad. Was für eine göttliche Eingebung, diese beiden Themen und Farben räumlich komplett zu trennen, auch wenn sie letztlich alle mit Garten zu tun haben.

Auch der „Sämann“ würdigte mich keines Blickes, er schien an mir vorbeizustürmen. Immer mehr begriff ich, dass diese Figuren wohl kurz nach der Sesshaft-Werdung des Menschen „gelebt hatten“. Wie schwer war der Weg vom Jäger und Sammler zum sesshaften Menschen, der sich in Ackerbau und Viehzucht übte. Damals bedeutete der geringste Fehler den Tod. Es gab keine Hilfestellungen, dafür genug Feinde, die einem das Mühsam geschaffene entrissen.

Ein Blick zur Kapuzinerkresse in einem der Hochbeete bracht meine Gedanken zurück in die Gegenwart. Hatten diese Vorzeit-Menschen mit jeder Generation das Leben erträglicher, vielfältiger und weiter nach vorne gebracht und überhaupt das Überleben ermöglicht, so habe ich das Gefühl, dass der moderne Mensch eher wieder von Generation zu Generation das Überleben schwieriger Macht Meiner Ansicht nach …

Ich nutzte die Chance, als der Künstler einen Moment verschnaufen wollte und bat ihn um ein Foto für unsere Traumgarten-Gruppe. Als ich anregte, dass er sich doch spiegelbildlich zum „Hacker“ stellen könnte, holte er spontan ein Gartengerät und meinte: „die Figuren haben keine Geräte, sie agieren alle wie Pantomimen.“

Beim Anblick der Gießkanne kamen mir weitere Gedanken in den Kopf. So wie viele sogenannte Armen- und Resteessen unserer Ahnen heute als begehrte Gourmet-Speisen gelten, so ändert sch auch die früher geringschätzige Einstellung der Gesellschaft zu Bauern und Gärtnern. Heute freuen wir uns wie Schneekönige, wenn wir selber ein Stück Garten unser eigen nennen, oder einen Schrebergarten pachten können und sehen es als Privileg an, diesen nach unserem Gusto zu gestalten. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass die hier produzierten Grundnahrungsmittel nicht die erforderliche Wertschätzung und zu geringen Geldwert erfahren.

 

 

Im Genussgarten, dem hinteren Gartenteil, steht eine Bank am Teich. Sie war genau der richtige Platz, um die Kunst-Ausstellung im Garten Revue passieren zu lassen. Die Leichtigkeit des Seins im Gräsergarten und die reife Schwere der Samenkapsel-Objekte steht einem entscheidenden Stück Menschheitsgeschichte, im Küchengarten hervorragend inszeniert gegenüber. Jede Figur, die mich im Garten schwerbeschäftigt, keines Blickes gewürdigt hatte, spricht jetzt am Bildmonitor ganze Monologe zu mir. Ja, ich höre auch leise Vorwürfe: „was habt ihr bloß aus dieser unserer Erde gemacht“?

Ich verspüre plötzlich den dringenden Wunsch viele Menschen an diesen Ort zu schicken und ich hoffe wirklich inständig, dass das, was ich im Garten vorfand, nicht nur für eine Ausstellung dort seinen Platz gefunden hat, sondern auf Dauer bleiben darf. Es sind für meine Empfindungen genau die richtigen Menschen. Verzeiht mir meine vielen Gedanken zu dem Gesehenen, aber es ist meine eigene Sichtweise dessen was ich vorgefunden habe und ich entdeckte eine kommunikative Gartenkunst, die mich sehr berührt und zum Nachdenken angeregt hat.

Gerne möchte ich mich bei Sabine und Reinhard für ihre wiederum sehr herzliche Gastfreundschaft bedanken. Das Schlußwort jedoch gehört dem Künstler selbst: Zitat Reinhard Schneider aus seiner Website: „Eine Gartenkunst, die auf Achtsamkeit zielt, die die Herzen bewegt, das ist Ziel meiner Kunst im Garten, der Gartenkunst. Kunst ist Aufgabe und Verantwortung!“

Eine Katze für jeden Garten – die Katzen-Figur aus Beton

Viele Gärtner lieben ihre Katze. Bei uns streunt gelegentlich Nachbars Katze durch den Garten. Nun haben wir eine eigene Katze. Eine Überraschung, die die Blicke auf sich zieht. Zunächst wurde sie in Ton modelliert und dann für detailreiche Abgüsse mit flüssigem Silikon für den Guss vorbereitet.

Nach dem Abguss streunt die Katze nun im Garten herum. Die Gussform steht für weitere Abgüsse zur Verfügung.

Hasen im Beton-Hohlguss

Auf Anregung einer Bekannten habe ich mich mit dem Thema Hase beschäftigt. Dieser sollte speziell zu Ostern als dekorativer Blickfang vor ihrem Haus platziert werden. Ich nahm das zum Anlass, mich mit der Technik des Hohlguss aus Beton vertraut zu machen. Damit ist es mir nun möglich, Kleinserien der Skulpturen aus Beton zu gießen.

Großer Hase:  22 x 19 cm Länge x Breite, 20 cm Höhe,  4,8 kg

Kleiner Hase: 10 x 8 cm Länge x Breite, 8 cm Höhe, 0,7 kg

Gräserpfad der Skulpturen

Im Winter 2015/16 hatten wir den Gräserpfad vorbereitet.

Dieses Frühjahr wurden die Skulpturen aufgestellt. Schon im Dialog mit den Dichternarzissen verliehen sie dem Pfad eine besondere Stimmung.

Mit der Fertigstellung der sechsten  Skulptur ist der „Gräserpfad der Skulpturen“ komplett.

Wir freuen uns schon auf den Herbst, wenn die Gräser ihre volle Wirkung entfalten und die Skulpturen über dem wogenden „Haar der Mutter Erde“ (Karl Foerster), schweben.

Skulptur 06 – Betonguss

Mit dieser Skulptur wollte ich mein Studienprojekt überarbeiten und als Betonguss für den Gräserpfad erstellen. Ausgangspunkt im Studium war die Auseinandersetzung mit der Form der Pilgermuschel im „Zeichnen nach der Natur“ bei Herrn Kafsak. Für das Thema Metamorphose Kurs „Plastisches Gestalten“ bei Prof. Busmann wählte ich die Muschelform als Ausgang. Die Muschelform entwickelt sich von einem Zentrum beständig nach Außen, die biomorphe Form sollte sich von links nach rechts in eine geometrische Form wandeln.

 

Nach 30 Jahren wollte ich die Muschelform stärker betonen. Erste Formstudien entstanden aus Ton und die Gußform aus Gips wurde erstellt.

Parallel führte ich Versuche zur Umsetzung in Beton durch. Erster und größter Unterschied zwischen dem Guss in Gips und dem in Beton sind die gegensätzlichen Anforderungen der Materialien. Während der Gips beim Aushärten das Wasser abscheidet und trocknet, benötigt der Beton Wasser zum Härten – eine Gussform aus Gips würde dem Beton das Wasser entziehen. Für erste Versuche nahm ich einfachen Putzbeton aus dem Baumarkt und dichtete die Gussform aus Gips mit Tonschlicker ab. Das funktionierte gut, aber das Ergebnis war sehr enttäuschend, da die Oberfläche sehr grob wurde.

Nachdem ich mir speziellen Gussbeton für Betonmöbel beschafft hatte, konnten die Vorbereitungen beginnen. Nächste Herausforderung war, daß die Skulptur aus Beton sehr schwer sein würde und auch die Kosten deutlich anstiegen. So wurden Tests durchgeführt mit einer Zweischalen-Hohlform. Das Ergebnis ist zufriedenstellend, aber es bedarf noch einiger Erfahrung beim Einstellen der nötigen Viskosität um die Oberflächen perfekt glatt zu bekommen. Nach dem Guss kam die Skulptur zur Probe auf ihren Sockel im Gräserpfad. Jetzt werden die Oberflächen noch gereinigt und der Beton wird zur Härtung für 14 Tage in einen Plastiksack verschwinden.

Skulptur 05 – Gipsguss mit Sockel

Die 5. Skulptur sollte gegenüber den anderen höher werden, da mir die Skulpturenreihe sonst zu gleichmäßig wird. So wählte ich als Ausgangspunkt die Schote einer Edelwicke, die ich noch im Garten fand.

 

Da die Schoten über Winter draußen lagen, hatten sie ihre ursprüngliche Form geändert – eine Metamorphose. Damit war die Schote eine ideale Gestalt, um Ursprung – Übergang und Wandlung in einer Skulptur darzustellen. Der Wandel ist in jeder Phase ein ästhetischer Genuss und typisch für die Natur.

Skulptur 05

Skulptur 04 – Gipsguss mit Sockel

Für die 4. Skulptur wählte ich als Ausgangspunkt die Nigella-Samenkapsel. Wie bei der vorangegangen Skulptur, des Eisenhut-Samens, bilden fünf gewölbte Flächen einen Körper. Durch die Trocknung reißt der Körper an den Nahtstellen auf und bildet diese wunderschöne Figur mit 2 Polen, einen dramatischen, stark zerklüfteten und einem ruhigen fast kugeligen Teil. Diesen Kontrast habe ich durch die gestreckte Form der Skulptur noch gesteigert. Wie in der vierten Skulptur sind auch hier sind die Stadien, des Aufbrechens des Körpers in die einzelnen Flächen, gleichzeitig und nebeneinander in der Skulptur dargestellt.

Solange die Kapsel grün ist und Wasser enthält, sind Druck und Zugkräfte ausgeglichen und zeigen eine harmonische Form. Durch den Entzug des Wassers nehmen die Zugkräfte der Fasern überhand und verformen den Körper bis er an den Nahtstellen reißt und eine neue harmonische Form annimmt.

 

Skulptur 04

Skulptur 03 – Gipsguss mit Sockel

Für die 3. Skulptur betrachtete ich die Samenkapsel des Eisenhutes. Faszinierend ist die Wandlung der einzelnen Kapsel-Elemente – die Metamorphose des geschlossenen Körpers in eine, von einer Fläche umschlossene Kelchform. Diese Wandlung, das Aufreißen des Körpers, ist hier in verschiedenen Stadien sichtbar. In der Natur sind diese Stadien nicht gleichzeitig zu sehen, da brechen alle Körper gleichzeitig auf.

 

Eine lange Trocknungsphase ist vorüber……..

Skulptur 03