Natur neu denken – Garten ist Kunst

In der langen kreative Pause habe ich ein Buch über den Landschaftspark Bettenburg geschrieben. Dabei stieß ich auf das Werk von C.C.L. Hirschfeld, der ersten deutschsprachigen „Theorie der Gartenkunst“ aus den 1780er Jahren. Es war faszinierend diese Spur einer neuen Auffassung von Natur, Garten und Landschaft aufzunehmen. Gartenkünstler sollten danach die vorhandene Natur respektieren und durch gekonnte Eingriffe das Erlebnis dieser Natur für und ihre Wirkung auf den Menschen verstärken.

Ich mußte dabei auch an den Landschaftsfotografen Ansel Adams denken, dessen Fotografien den damaligen US-Präsidenten bewogen die ersten Nationalparks zu gründen.

Heute bedarf es wissenschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Argumente Parks einzurichten, in denen der Mensch einer sich selbst überlassenen Natur gegenüber treten kann.

Im Angesicht der gewaltigen Veränderungen, die der Mensch bewirkt, ist die Frage seines Verhältnisses zur Natur und damit zu sich selbst in den Mittelpunkt gerückt. Nicht erst seit Darwin wissen wir, dass der Mensch Teil der Natur ist.

Es ist Zeit Natur neu zu denken.

„Der Mut Natur neu zu denken“ ist aktueller den je. Kein Tag vergeht
ohne Nachrichten über die Zerstörung unserer natürlichen
Lebensgrundlage. Höchste Zeit unser Verhältnis zur Natur neu zu
denken!
Der Landschaftgarten Bettenburg entstand in einer Zeit, in der das
Verständnis Mensch und Natur neu definiert wurde. In den
Lesezirkeln wurde die „Kritik der reinen Vernunft“ des Philosophen
Immanuel Kant und Goethes Evolutionstheorie der Urpflanze
diskutiert.
In dieser Zeit der Aufklärung, dem Anfang der Moderne, verfasste der
Kieler Professor C.C.L. Hirschfeld die erste deutschsprachige
„Theorie der Gartenkunst“. Darin formulierte er eine Gartenkunst,
die die Wirkungen der Natur auf den Menschen in den Mittelpunkt
stellte. Damit ging sie weit über die vorherrschende englische Gartengestaltung
hinaus.
Mit der einzigartigen Umsetzung dieser Ideen im Landschaftspark
Bettenburg kann der Besucher auch heute noch die Wirkungen im
sanftmelancholischen Garten nachvollziehen.
Erstmalig wird im vorliegenden Buch das
vollständige Skizzenbuch eines
zeitgenössischen Porzellanmalers
mit seinen Kommentaren und allen
Inschriften des Gartens
abgedruckt. Anhand von Karten
der bayerischen Uraufnahme wird
die Waldanlage mit ihren noch
vorhanden und verschollenen
Bauten erlebbar.
Das ein Besuch des Landschaftsparks
Bettenburg zu jeder
Jahreszeit ein wundervolles Erlebnis
ist, belegen die zahlreichen
Abbildungen.
Zeit Natur
neu zu denken.

H2O – Versiegelt

Für den Wettbewerb des Landkreises Haßberge,  H2O, habe ich eine Arbeit eingereicht. In den Arbeiten soll die Umweltzerstörung thematisiert werden.

Arbeit: Versiegelt 9/2019


In der versiegelten Landschaft wird der Regen immer schneller in die Flüsse transportiert und der Anteil des Wassers, das im Boden versickern kann, wird reduziert. Damit ist es nicht mehr verfügbar für Pflanzen, Tiere und uns selbst als Trinkwasser. Die Hochwassergefahr an den Flüssen steigt.
Die Versiegelung der Landschaft soll erfahrbar werden. Als Material wurde Beton gewählt, das Material der Versiegelung. In den Beton ist ein Wasserglas eingegossen, womit sein Gebrauch unmöglich wird. Der Betrachter kann sich nicht durch einen Schluck Wasser erfrischen. Der in den Betonsockel eingepflanzte Rosentrieb ist verdorrt. Das Wasser wird durch symbolische, archaische Gravuren symbolisiert.

Kunst und Design

Provokation der Provokateure

Konsens im heutigen Kunstbetrieb ist die Provokation des Publikums. Die Provokation gilt als Qualitätsmerkmal der Kunst. Ebenso begnügen sich Künstler darin, ihre Kunst der freien Interpretation durch den Betrachter zu überlassen. Damit richtet sich die Kunst an ein elitäres Publikum. Auf der einen Seite ist dem elitären Publikum der Anlass der Provokation – problematische Entwicklungen – bereits zur Genüge bekannt, auf der anderen Seite bleiben die Künstler auf ihrem Elfenbeinturm, von der Schar der Eingeweihten bewundert.

Frei nach Karl Marx: Alle Kunst hat bisher die Welt interpretiert – es kommt aber darauf an sie zu verändern.

Wenn Kunst etwas verändern will, muß sie dem breiten Publikum verständlich sein. Sie muß sein Herz erreichen. Meldungen über die Probleme und Schlechtigkeiten der Welt gibt es zur Genüge. Durch die Unverständlichkeit der Kunst überlässt die Kunst ihr Publikum dumpfen Parolen und den einlullenden Werbebotschaften der Warenästhetik. Es braucht keine weiteren Klagen über die Schlechtigkeit der Welt! In der Zeit verfallender Werte und Orientierung ist es wichtig, Orientierung zu geben. Orientierung zu geben, ohne dabei ideologisch, dogmatisch zu sein. Warum kann Kunst heute nicht „Schön“ sein. Warum überläßt sie ihr Jahrhunderte altes Feld der Ästhetik des Schönen den Verführern des Shareholder values?

Die Aufgabe,  die Lebenswelt schön zu gestalten,  überlässt die Kunst dem Design – und rümpft die Nase. Design, wie es von großen Teilen des Bauhauses vertreten wurde und vom Designer Papanek später propagiert wurde, übernimmt Verantwortung. Bauhaus und Papanek überschätzen die Möglichkeiten des Designs. Design ist ein Teilbereich des Marketing. Design dient der Förderung des Absatzes.

Garten ist Kunst

War diese Aussage über Jahrunderte nicht in Frage gestellt, wird sie heute selten so verstanden. Es werden Armeen von Maschinen, chemische Kampfstoffe  und Beton in die Gärten geschickt, um der Natur den Garaus zu machen. Gärtnern ist eine ästhetische Frage. Die Ästhetik der architektonische Gestaltung, die lebendige Farbenvielfalt, die olfaktorischen und akustischen Erlebnisse sind Ästhetik. Gleichzeitig lässt sich die Natur dadurch schützten. Gerade der Garten bietet Künstlern die Möglichkeit Utopien erlebbar zu machen. Der Begriff des Gartens war immer mit dem Paradies verbunden, der ältesten Utopie.

Eine Gartenkunst, die auf Achtsamkeit zielt, die die Herzen bewegt, das ist Ziel meiner Kunst im Garten, der Gartenkunst.  Kunst ist Aufgabe und Verantwortung!

CULTURA – der Kartoffelleger

Eine weitere Figur zu Beginn der Kultursaison ist der Kartoffelleger. Hier nimmt der Gärtner keine dynamische, aufrechte und selbstbewusste Haltung ein, wie der Sämann. Diese gebückte Haltung zeigt die Mühe der Aussaat durch den Katzenbuckel. Die Abstützung des eigenen Körpergewichtes ist nötig, um die Aussaat zu bewältigen. Die Aussaat erfordert einen starken Willen und tiefes Vertrauen auf den Erfolg in der Ernte. Mit dem linken Ellbogen auf dem Knie wird die Last auf den Unterschenkel abgeleitet. Ohne diese Abstützung ist die Bearbeitung auf längerer Strecke nicht möglich. Eine Figur, die ich auch in einem Gemälde von van Gogh gesehen habe.

CULTURA – der Sämann

 

Nachdem der Boden vorbereitet ist, geht es an die Aussaat. Der Sämann ist ein Motiv, das in der Bildhauerei schon häufig bearbeitet wurde. Wie beim Spatenstecher weist die Oberfläche der Plastik auf die Vielschichtigkeit des Charakters hin. Die Schicksalsschläge und Niederlagen sollen sichtbar werden. Dennoch nimmt der Sämann sein Werk auf und setzt auf die Zukunft.